19 - 20/09/09 - Das kürzeste Tourtagebuch der Welt
Tag 1
*röööt* *röööt* *paff* Das dezente Tonsignal meines Funkweckers holt mich in den Tag und mir ist sofort bewusst, dass das heute nicht mein Tag wird. Kopfschmerzen, Husten, Halsweh, Schnüpperken, Gliederpein und Schüttelfrost. Mindestens eine Schweineerkältung, wenn nicht Grippe. Ausgerechnet für dieses Wochenende steht die erste Kurztour in der Geschichte von Monty burns bevor. Erst die zweite Kneipennacht in Witten und dann die Neueröffnung des FZW in Dortmund. Meine Vertrauensapotheke wird kontaktiert und meine EC Karte belastet. Jetzt bewege ich mich am Rande einer pharmazeutischen Neuentdeckung und pusche meinen Körper mit Pseudoephidrin, Schleimlöser und Halsbetäubungspastillen. Die Pharmaindustrie sollte das nächste Album finanzieren.
Vor den Erfolg haben die Götter allerdings die Arbeit gesetzt und es heißt Aufbauarbeit leisten in einem für die Kneipennacht gebuchten „Event-Pub“ mit dem klangvollen Namen: „Marques“. In der guten alten Zeit hieß es nicht: „Event-Pub“, sondern Spelunke und „Marques“ war allen in Witten und Umgebung unter: „Schindelhütte“ mehr als ein Begriff. Die Zeiten ändern sich. Optisch befinden wir uns allerdings im Auftrittsraum nach wie vor näher an der Schindelhütte. Eiche rustikal, so weit die geweiteten Pupillen reichen.
Das Konzert ist schnell erzählt. Wir spielen von 22:00 Uhr bis Mitternacht, reißen alle Hits und Klassiker runter, bringen die Massen in ekstatische Zuckungen, fördern Innenohrschäden und freuen uns, dass unsere ehemaligen Erziehungsberechtigten mal vorbei schauen. Heimspiel eben. Erstmals schaffe ich ein fehlerfreies Solo in „forehead“, Tim bricht im zweiten „Zugabeteil“ des Abends die Stimme weg und es ist insgesamt derart abartig heiß, dass unser Dresscode „Hemden plus Schlips“ zu einer echten Tortour wird. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass man Schweißflecken an den Unterarmen und in der Ellenbeuge bekommen kann. Ausgerechnet heute ist unser Haus- und Hoffotograf nicht mit an Bord, aber, wie ja oben ausführlich erwähnt, ist es einfach nicht mein Tag.
Um 2:07 Uhr erreiche ich schließlich glücklich meinen Heimathafen und freue mich, dass um 2:10 Uhr die Wiederholung des aktuellen Sportstudios im Fernsehen kommt. In meinem obligatorischen Nachtgebet erwähne ich den eigens für die „Tour“ gemieteten Bandbulli mitsamt unserem Equipment. Er musste leider vor dem „Marques“ warten, weil die Wirte dort doch sehr großzügig mit dem Verzehr von „Bandbier“ umgegangen sind. In weniger als neun Stunden heißt es aufstehen, duschen, Saiten putzen und ab auf die Bühne. Also, gute Nacht!
Tag 2
Zu den bereits blumig niedergeschriebenen Krankheitssymptomen gesellt sich kurz nach dem Verzehr eines mittelprächtig schmeckenden Frühstückseis nun noch ein motivierter Durchfall. Dank der Homeshoppingmöglichkeit eines namhaften Monopolisten habe ich mit einer Großpackung dieses niedlichen Welpenlokuspapiers vorgesorgt und höre dem exorbitanten Treiben unter mir entspannt zu. Das kann doch einen Monty nicht erschüttern. Ärgerlich ist nun aber die Tatsache, dass wir deutlich eher als geplant einen Teil des gut verstauten Equipments noch vor unserer Anreise nach Dortmund abgeben müssen. Unser Techniker hat ein Mittagessen mit Gattin und Familie eingeplant und somit den eigentlich gut durchdachten Fahrplan zerstört. Es ist eben auch für den Mittelstand in der Bandbranche schwierig, zuverlässiges Personal zu finden ;-)
Zu dem neuen FZW ist schlicht ein Wort zu sagen: „Hammer!“ Sowohl der große als auch der kleine Saal können optisch und akustisch EINIGES. Schade nur, dass wir als Band eher mau aus den Sträuchern kommen. Geschwängert vom Bier des Vorabends, sonntäglicher Unmotiviertheit und spielerischer Defizite vor leerer Kulisse lässt sich festhalten: Es war mit Abstand eines der schlechtesten Monty burns Konzerte. Aber wie heißt es doch so schön: „Zuverlässigkeit kann auch darin bestehen, dass man regelmäßig versagt.“ Nein nein, alles halb so wild. Wie Kloppo und der BvB geht es jetzt ins Trainingslager und Analysen betreiben am Bi-Fi Taktiktisch. Dann dick proben für die nächste Minitour und mit dem Wissen um die eigenen Fehler die Stärken wieder ausspielen. Amen!
PS: Schön war, dass wir „backstage“ die netten Jungs von Volx- äh Voxblender kennen gelernt haben! Danke dafür…
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