22/02/08 - Witten, WerkStadt

Werk°Stadt Witten: „The Big Slick“
oder „Zwei fehlende Puzzleteile auf dem Weg in den Rockolymp“

Wir schreiben das Jahr 2008. Februar. Nasskaltes Wetter und eine stetig voranschreitende Inflation der Rockmusik. Trotz trüber Aussichten auf eine glorreiche Musikerzukunft arbeiten fünf, manchmal sechs, durchschnittlich alte Männer emsig an englischsprachiger Rockmusik am Rande des Ruhrgebiets. Um in den Ecken der Hirne eine neue Tür aufzustoßen und auf weniger ausgetretenen Pfaden zu wandeln beginnen die fünf, manchmal sechs, Arbeitsbienen elektronische Elemente „vom Band“ in die handgemachte Musik aufzunehmen. Dem Elftracker aus dem April 2007 soll in nicht ferner Zukunft schließlich ein neues Kleinod westlicher Klangwelten folgen.

Wenn man heute als Band über die überfüllten Portale des Internets hinaus eine Rückmeldung für die eingeschlagenen Wege bekommen möchte, so inszeniere man ein „prehearing“ vor der Haustür. Für unsere fünf, manchmal sechs, Wittener bietet sich da, der aufmerksam Lesende wird es auf der Zunge haben, die Werk°Stadt Witten an. Passenderweise möchte diese ebenfalls den letzten fruchtbaren Boden nach der Brandrohdung in Rock&Pop ausschlachten und versucht in eben dieser Ruhrstadt ein neues Diskokonzept zu etablieren. Wenn dann an einem solch ehrfurchtgebietenden (m?) Datum auch noch ein Bandmitglied Geburtstag hat dann, ja dann fallen Ostern, Weihnachten, Lichter- und Zuckerfest zusammen.

Die Band beschränkt sich auf ein Minimum an Propaganda und konzentriert sich lieber auf die Darbietungen neuer und weniger neuer Musikstücke. Eine Stunde und zehn Minuten Liveprogramm stehen auf dem Programm. Eine Neuerung in der Bandgeschichte. 100% eigenes Equipment, ein DJ Pult (Mainact?) und ein brennendes Ölfass zieren die Bühne und machen den Abend zu einem Montyabend. Dankbarerweise müssen auch keine Soundcheckzeit und kein Backstagebereich geteilt werden.

Der Saal bietet Platz für ca. 500 Personen (siehe Bandtagebucheintrag Release Show) und wird an diesem Abend mit gut gelaunten Menschen zu ca. einem Fünftel gefüllt sein. Wie immer bei einem tanzenden Publikum wirkt das mehr, als es auf dem Kassenzettel erscheint. An den Wänden hängen zwei bebeamerte Leinwände und tauchen den Saal aufgrund geschmackvoller Bildpräsentationen in ein faszinierendes Ambiente.

Künstlerisch bewegt sich die Band sicher durch die weniger neuen und engagiert durch die neuen Lieder. Das Publikum versucht in die Strukturen der unbekannten Akkord- und Melodiefolgen einzudringen und dankt den Künstlern mit Beifall. Nicht immer fehlerfrei, aber stets konzentriert und motiviert leisten diese ganze Arbeit und werden später in zahlreichen Interviews bestätigen, dass sie froh und dankbar für den Konzertabend sind. Am Rande bemerkt sei, dass Sänger Tim Köhler erstmals seit Beginn der musikalischen Zusammenarbeit von Monty burns vor und auf einem Konzert erkältet ist. Trotz schlechtem Körpergesamtgefühl spult er sein Programm hörenswert ab und zeigt Viren so wie Bakterien, wo der Frosch die Locken hat.

Einen kurzen Moment hatte sich die Band insgeheim darauf gefreut, dass der Veranstalter ein laminiertes Schild mit der Aufschrift: „Konzert von Monty burns muss leider krankheitsbedingt ausfallen. Karten aus dem Vorverkauf behalten ihre Gültigkeit für einen Ersatztermin“ hätte aushängen müssen. Das wäre ein bisher noch fehlendes Puzzleteil auf dem Weg in den Rockstarolymp gewesen. Ein weiteres fehlendes Stück wird aber an diesem Abend in das lückenhafte Mosaik eingesetzt. Gitarrist Nils Lintzen bekommt nach dem Konzert eine Demo Cd mit den Worten: „Kennst Du mich noch? Dann hör da mal rein, ist meine neue Band“ in die schwitzige Hand gedrückt. Tage später füllen sich seine Augen noch mit salzigen Freudentränen, wenn er an diesen Moment und diesen Abend zurück denkt.

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tba.