18/01/08 - Ratingen, Lux

Es ist wahrhaft eine schöne Sache, wenn man nach zwölf (!) Jahren Bandtagebuch mal über etwas wirklich Neues schreiben kann. Dieser Eintrag kann heißen: „Wenn einer eine Reise tut, dann kann er etwas erleben und davon erzählen.“ Aus bisher noch ungeklärten Gründen haben wir Monties aus Ratingen das lukrative Angebot bekommen, im dortigen Flux ein Ständchen zu spielen. Angeblich sei der Veranstalter via myspace auf unser musikalisches Diadem aufmerksam geworden aber ich persönlich glaube eher, dass da der Handel mit Organen eine Rolle gespielt hat. Wie auch immer… Jedenfalls haben wir Monties ja lange den Wunsch geäußert, immer mal wieder Auswärtsfahrten über Stockum, Rüdinghausen und das Borbachtal hinaus organisieren zu können und – here it comes! Nachdem unser fleißiger Bandnavigator Martin „ganz schön weit“- Mann zugesichert hat, dass er uns sein portables Navigationssystem statt einer staubigen Straßenkarte leihen würde stand dem Trip gen Ex Eishockeyimperium Ratingen nur noch wenig im Weg. Das „nur noch wenig“ war die ewige Frage nach der Anzahl der Flottenfahrzeuge samt freiwilliger Fahrärsche. Bassmann Pocke hatte eine zackige Idee. Er hat sich in Dortmund nach einer holden Maid umgesehen, die - nett ist - gut aussieht und - einen Autohausbesitzer als Familienoberhaupt hat Diese hat er gefunden und vom Fleck weg zur Braut genommen um, neben einer fulminanten Hochzeitsnacht, noch einen Leihbandbulli rauszuschlagen, der auf den Namen T1001 hört. *Wenn man auf die Hupe drückt hupt es nicht, sondern eine sonore Männerstimme fragt: „Sarah Connor?“* Und es ertönt ein affenartig lautes Maschinengewehr… T1001 mit Pockinjo als Fahrer war also geklärt. Unter Tränen der Rührung hat er sich sofort das Wort „Fahrer“ auf den linken Unterarm stechen lassen und durfte diesen während der gesamten Fahrt nicht aus dem geöffneten Fenster wegnehmen. Alle anderen hatten die bandscheibenbelastende Aufgabe, den Montykram in den Sattelschlepper zu verladen. Ein wirklich schönes Gefühl, mal mit der ganzen Band in einem Bandbulli zu einem Gig zu reisen. Während wir abwechselnd dafür sorgen mussten, dass Tobi nicht einschläft und somit zähflüssiger Speichel aus seinem Mundwinkel auf die teuren Polster des T1001 tropft navigierte Martins Gerät uns dem Ziel immer näher. Die Fahrt verlief bis auf ein paar Stauinseln erschreckend ereignislos und wir kamen überpünktlich am Flux an. Vor Ort wurden wir von der außerordentlich freundlichen Hausleitung samt Personal begrüßt und waren angenehm überrascht, in welch netter Atmosphäre dieses Konzert stattfinden würde. Backstageraum, Catering, Bühne und Anlage konnten sich sehen lassen und wir empfehlen jeder Band, sich via myspace beim Flux zu bewerben. Stutzig machten uns die üblichen Prognosen über die zu erwartende Gästezahl des Abends:

- Mal ist es hier total voll, mal kommen leider etwas weniger, kann man nie wissen
- Naja, nächste Woche sind ausgerechnet die Abiturvorklausuren und die RatingerInnen sind wohl alle zuhause und lernen fleißig
- Ihr habt doch sicher ein paar Fans, die aus Witten mitreisen?

Äh ja, haben wir. Zwei! Beide sind auch tatsächlich erschienen und waren von der Bühne aus den ganzen Abend über immer gut zu erkennen. Einer der beiden ist mit dem Zug von Witten nach Ratingen gefahren, um uns zum wiederholten Male live zu erleben und für gute Fotos zu sorgen. Vom Ratinger Bahnhof aus musste er ein Taxi gen Flux nehmen und dem erstaunten Taxifahrer erklären, wo den die Turmstraße sei. Der war neu im Geschäft und unser hightech Edelfan zückte sein GPS Handy und lenkte, ohne Trinkgeld, das Fahrzeug zum Veranstaltungsort. Ich liebe diese Randgeschichten, ehrlich… Zu den anderen Bands des Abends kann ich persönlich leider wenig sagen, da ich intensiv mit dem ausgezeichneten Bandcatering beschäftigt gewesen bin und wir außerdem bandintern neue Hierarchien beim Tischfußball erschaffen haben. Ich sage nur: „Zu NULL gibt ´ne Kiste…“ Und: „Der Boxer dreht!“ Aufgefallen ist mir, dass bei der letzten Band ein ca. 18jähriger Brillenträger auf einer Flying V Licks gespielt hat, die ich wohl selbst nach dem sechsten Semester an der school of metal nicht aus dem Arm zaubern könnte… Die Jugend von heute. Die erste Band war eher ein wenig ruhigerer Natur und wir sind den Bandmitgliedern wahrscheinlich mit unserem extrovertierten Kickerspiel gehörig auf den Senkel gegangen. Ungeklärt ist bis heute: - Wer die mindestens drei hübschen jungen Damen waren, die ab dem ersten Lied schräg rechts vor der Bühne die Hüften kreisen ließen? - Was der Unterschied zwischen Astra Pils und Astra „rote Laterne“ ist? - Warum die Ratinger Jugend lieber für das Abitur büffelt, statt zu deftigen Rockkonzerten zu gehen? - Ob es im zäh fließenden Verkehr auf der linken, oder rechten Spur schneller zum Ziel geht?

Wir Monties haben uns trotz einer spärlichen BesucherInnenzahl sehr über den schönen Ausflug nach Ratingen gefreut und suchen weiter nach Auswärtsfahrten. Danke Euer Kapitän

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tba.